|
PISA: Lehrermangel in Deutschland Ein bekanntes Problem wird politisch nicht gelöst!
"Ich kenne noch den Schulunterricht in zwei Schichten!", sagte der SPD-Vorsitzende Wolfgang Pöppel den Mitgliedern seines Ortsvereines in einer der letzten Versammlungen. Die sich
dann entwickelnde Diskussion zeigte auf, dass politisch denkende Menschen mit ihren Erfahrungen und Forderungen weit entfernt sind von dem Bewusstsein ihrer gewählten Abgeordneten in den Parlamenten.
Warum das so ist, sollte in SPD-Elsen-online dargestellt werden.
Heute hat Pöppel hier Gelegenheit, seine Ansichten und Aussichten darzustellen:
Die Konkurrenz zwischen Ländern und Bund will keine Partei wirklich lösen
Seit Jahrzehnten wird immer wieder mit den unterschiedlichsten Absichten von Politikern diskutiert, ob die Hoheit der Länder zu einer eigenständigen Schulpolitik ihres Bundeslandes
beibehalten oder aufgegeben werden soll. Seltsamerweise ist es stets vollkommen egal gewesen, wer dabei welcher Partei angehörte. Immer wird der Untergang des Abendlandes beschworen, wenn von wem
auch immer ein bundeseinheitlichem Pflichtenheft “Schule” gefordert wird.
Kein europäisches Land ist in sich so zerrissen, wenn es um die Ungleichheit von Chancen der Kinder eines Landes geht.
Die Meinung der Deutschen zu ihrem eigenem unfähigem Schulsystem ist seit Jahrzehnten stabil: Mit Klauen und Zähnen verteidigen nahezu alle Parteien, Lehrerverbände und die Mehrheit der
veröffentlichten Meinung und Eltern das so genannte “3-gliedrige-Schulsystem” als Synonym für Chancengleichheit, hohen Bildungsstandard und Kind-, Eltern- und jugendgerechte Erziehung mit Vermittlung
lebensnotwendiger Kenntnisse.
Alle wissen, dass dies so noch nie gestimmt hat. Und schlimmer: Niemand will etwas wirklich ändern. Auch die SPD im Lande und im Bund ist Lichtjahre von einem
Wunsch nach Veränderung entfernt.
Fakt ist aber, dass bislang noch niemand glaubhaft erklären konnte, warum der Schulunterricht in Bayern anders ausgerichtet und abgehalten werden muss, als in
NRW.
Wer jetzt nicht die Inhalte der Ausbildung und den Arbeitsalltag von Lehrern ändert, ist verantwortlich für die Bildungsdefizite in 10 Jahren und später
Alle Verantwortlichen Landes- und Bundespolitiker wissen, dass ihre Lehrerausbildung veraltet, nicht effizient und weit vom Schulalltag deutscher Schulen entfernt ist. Auch die
Beibehaltung der so genannten “Refrendarausbildung” ist letztendlich nur Zeitverschwendung.
Wie sollte es denn sein:
Alle Betriebe in Deutschland bilden seit Jahrzehnten erfolgreich
dual aus. Das muss auch für Lehrer so gelten. Aber: Die pädagogische Eignung muss vor Eintritt das 2. Ausbildungsjahr geklärt und festgestellt werden - ansonsten ist Ende der Ausbildung angesagt (Für
meine Kritiker: Was glaubt ihr eigentlich, was Arbeitnehmer erleben und auch gut aushalten können?).
Wir brauchen bis zur Klasse 10 keine Lehrer mit akademischer Ausbildung. Wir brauchen junge
(!!!) Lehrer, die die sozialen Kompetenzen besitzen, Kinder und Jugendliche in eine Lernsituation auch dann einzubinden, auch wenn diese “Schüler” derzeit noch massive Sozialisationsdefizite
(Sprache, Kultur) in den Schulalltag mitbringen. Und weil das so ist, muss jede Schule bis auf weiteres einen eigenen “Allgemeinen Sozialdienst (ASD)” haben.
Lehrer arbeiten in der Schule.
Also haben sie auch dort ihre Büros. Und Lehrer haben einen Anspruch auf Pausen, wie alle anderen auch. Und weil beides nicht halbtags gehen kann, muss endlich der Zopf der Halbtagsschule
abgeschnitten werden.
Bildung ist viel zu wichtig, als sie halbtags zu probieren (auch Eltern müssen ertragen können, das sie sich von ihren kleinen Märchenprinzen in der Sekundarstufe I ohne
weiteres mal mehr als 6 Stunden trennen können, bitteschön!).
Wie werden Lehrer zukünftig ausgebildet: Bis zur Jahrgangsstufe 10 so, wie in der freien Wirtschaft - geht nämlich prima, muss man
nur wollen. Ist aber erheblich effizienter und auch billiger (bei gleichem Lohn für die angestellten und streikberechtigten Lehrer!).
Die Lehrerverbände sind derzeit nicht in der Lage, sich am Umstrukturierungsprozess der Ausgestaltung des Bildungssystems einzubringen
Bislang sind in allen Lehrerverbänden solch radikale Ansichten nur sehr vereinzelt gehört worden. Diesem Gehör folgte aber immer die vernichtende Diskussion und die Eleminierung der
non-konformen Lehrerkollegen.
Wenn sich Lehrerverbände neu ausrichten können, wenn Lehrerverbände sich gemeinsam der veränderten Lebenssituation anpassen wollen, dann erst sind sie
unverzichtbar bei der Neugestaltung unseres Bildungssystems.
Lehrer, die keine schulischen Sozialarbeiter mehr sein wollen, die wieder Kinder unterrichten wollen, die auch die Sprache des
Lehrers verstehen und die dann keine überflüssigen Lernstandsberichte und den ganzen Unsinn ministerialen Controllings ertragen müssen, werden dann das tun, was sie jetzt schon größtenteils wollen,
aber selten wirklich können: Kinder und Jugendliche erziehen und ihnen etwas beibringen, damit sie in ihrem Leben später sagen können: “Ich habe viel gelernt und ich war nicht umsonst in der Schule,
nur kostenlos, aber dafür wirklich gern!
Änderungen müssen in den nächsten 36 Monaten beschlossen sein - in Bund und Ländern!
Wenn in Deutschland nicht in 36 Monaten die Länderhoheit der Schulbildung zugunsten des Bundes aufgegeben wird und wenn nicht gleichzeitig flächendeckend eine einzige Ganztagsschule für
alle Kinder eingerichtet wird bei gleichzeitiger Neuschaffung eines Lehrerausbildungsganges bis zur Kasse 10, dann wird der Schulunterricht in 2 Schichten in NRW und überall anders auch ab 2015
eingeführt. Wir werden dann unseren heutigen Wohlstand für die nächsten 300 Jahre verlieren - vielleicht heißt es später in Europa dann auch nicht mehr: “Du bist wohl dumm” sondern “Du bist wohl
deutsch”.
Ich freue mich über eure Diskussionsbeiträge und erwarte haufenweise eMails!
|